Freitag, 28. Januar 2011
Ein letztes Mal ums Haus
Also bin ich ein paar Tage später zur Mühle gefahren und habe Bilder gemacht.
Während ich so an der Front hin- und herwanderte, kam Christa Ost, die Inhaberin von "Wein und Geschenke", raus und fragte, ob ich von der Presse wäre (irgendwie die übliche Frage, wenn die Größe der Kamera die einer normale Ritschratsch-Knipse nur etwas überschreitet). Ich sagte nee, ich mache die Bilder einfach nur, um mich später daran zu erinnern, wie es hier ausgesehen hätte (allzu oft ist ein Gebäude ja plötzlich weg, ein Jahr später steht dort was Anderes und man weiß gar nicht mehr, wie es da ausgesehen hat, ich sag nur: Lübke). Und außerdem, sagte ich, hat mein Vater hier mal gearbeitet. Och, sagte sie, wie heißt denn Ihr Vater? Sie wäre ja eine geborene Liemke und vielleicht würde sie ihn kennen. Ich nannte den Namen und sagte gleich, das wäre aber ewig her. Tatsächlich konnte sie sich gut erinnern! Die Arbeiter wären ja früher alle immer zum Essen gekommen, da hätten alle um einen großen Tisch gesessen und manchmal hätten sie da auch geschlafen. Wie eine große Familie wären damals alle gewesen. Hab später meine Mutter darauf angesprochen, und die konnte das direkt bestätigen.
Da war ich also erstmal platt. Dass du so unvermittelt jemanden trifft, der sich an deinen Vater erinnern kann aus einer Zeit, in der du selbst kaum geboren warst, passiert ja nicht alle Tage. Wir haben uns dann noch kurz unterhalten und ich fragte, ob es ihr denn nicht schwer falle, dass das alles in Kürze nicht mehr da wäre, und sie sagte ja, schrecklich schwer, und sie wäre nur froh, dass sie zu ihrem neuen Laden (im ehemaligen Werlkönig, noch so ein Rhedaer Traditionsgebäude: vormals war es zu Grundschulzeiten meine alte Turnhalle) nicht täglich an dem Gelände vorbeifahren müsse.
Danach bin ich um das Gebäude herumgewandert, um Bilder von der Rückseite zu machen. Die fand ich schon interessant, seit sie vor knapp 10 Jahren das alte Lübke-Gebäude, das direkt daran angrenzte, abgerissen hatten. Noch monatelang hing an der Außenmauer, die ehemals Innenmauer von Lübke war, ein Waschbecken samt Fliesen und Rohr. Wie ich so knipste, kam Frau Ost nochmal um die Ecke und fragte, ob ich ihr die Fotos mal vorbeibringen könnte. Keine Frage!
Das werde ich die nächsten Tage mal in Angriff nehmen (und dabei besser ein dickes Portemonnaie einstecken, ich habe schon viel zu lange mein Geld in Fotokram gesteckt. Meine Wohnung lechzt nach was Schickem, Überflüssigem zum Hinstellen!)
Tja, und in der Woche drauf ging dann der Abriss los.
- Bilder aus dem Archiv: 2008/2009 -> Ältere Fotos aus einer Zeit, in der nur die Fraktion "Steriles Rheda" schon an Abriss dachte
- Freitag, 28. Januar 2011 -> Auszug und Abschiedstour mit Kamera
- Freitag, 4. Februar 2011 -> Der Abriss beginnt
- Montag, 7. Februar 2011 -> Das Wohnhaus an der Straße fällt
- Dienstag, 8. Februar 2011 -> Vorbereitungen für den ganz großen Schlag
- Mittwoch, 9. Februar 2011 -> Jetzt geht's richtig zur Sache
- Donnerstag, 10. Februar 2011 -> Maschinen, Bänder, Ketten... ein Einblick ins Innere
- Freitag, 11. Februar 2011 -> Das fulminante Finale
- Vormittags -> 10.00 - 10.40 Uhr
- Mittags -> 13.40 - 13.55 Uhr
- Nachmittags -> 15:20 - 16:20 Uhr
- Samstag, 12. Februar 2011 -> Der traurige Rest
- Dienstag, 15. + Freitag, 18. 2. 2011 -> Schrottberge
- Dienstag, 22.3. + Sonntag, 6.3. 2011 -> Mehr Schrottberge und dann... Leere
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